2018 – Herbstbrief

Herbstbrief 2018 

Liebe Imkerkolleginnen und Imkerkollegen, liebe Kunden und Freunde unserer Zuchtgemeinschaft, Liebe nichtimkernden Weggefährten!

Die letzten Arbeiten an den Bienen stehen derzeit noch an. Aber in diesem Jahr habe ich mir fest vorgenommen, den Herbstbrief terminlich wirklich in den Herbst zu legen. Auch deshalb, weil wir erstmalig in 2019 eine Drohnenlinie mit vorgeprüftem Hygieneverhalten auf die Belegstelle Friedrichskoog stellen werden und unsere bisherige Zuchtphilosophie sich in gewisser Weise ändert, bzw. ergänzt wird.  In diesem Zusammenhang wird Ihnen Detlev Biel, der Mitglied der Buckfastzuchtgemeinschaft Friedrichskoog ist, die Begriffe Hygieneverhalten und VSH eingehend erläutern. Daraus sollte ersichtlich werden, was man von diesen Königinnen erwarten und was nicht. Seien Sie gespannt!

Und plötzlich weißt Du:
Es ist Zeit, etwas Neues zu beginnen und dem Zauber des Anfangs zu vertrauen.
Meister Eckhart (1260 – 1327 Mystiker und Provinzial der Dominikaner

Für das entgegengebrachte Vertrauen und für die vielen netten Kontakte möchte ich mich in erster Linie im Namen von Jens Steinfeld und unserem gesamten Team aufrichtig bedanken. Wir hoffen sehr, dass Sie mit unserem Service zufrieden waren, dass wir die vielen Sonderwünsche nach unseren Kräften berücksichtigen konnten und dass Sie die Königinnen zu dem von Ihnen gewünschten Termin in einem guten Zustand erhalten haben. Allein diese logistische Abwicklung ist immer wieder eine Mammutaufgabe und ich bin dankbar, in Jens jemanden gefunden zu haben gefunden, der mir den Rücken für das Imkern frei hält. Inzwischen kennt er die Tücken des Versandes mit lebenden Tieren detailliert und natürlich viele von Ihnen mitsamt Ihren Wünschen und Bedürfnissen. Das alles dürften Sie bemerkt haben! Der ausschließliche Expressversand innerhalb Deutschlands hat sich bewährt. Wir sind nahezu verlustfrei geblieben. Der Versand ins Ausland gestaltete sich in einigen Ländern aufgrund langer Laufzeiten schwierig, doch auch hier hielt sich die Zahl der Totalverluste in überschaubaren Grenzen. Leider transportieren Express-Dienstleister keine Königinnen im Flugzeug, aber wir stehen im engen Kontakt und versuchen, hier eine Lösung zu finden, die den Versand innerhalb der EU erleichtert.

Nachdem wir im Jahr 2017 die Sonne kaum gesehen haben und 1400(!) mm Niederschläge unseren Bienen, uns Imkern, am meisten aber den Landwirten extrem zusetzten, wurde uns in diesem Jahr ein Jahrhundertsommer und in der Folge ein Jahrhundert-herbst geschenkt. Die Fülle an Licht, an kontinental trockener Luft, das damit verbundene Ausbleiben der nassen und deprimierenden Kälte war ein Segen für die Bienen und für die hier lebenden Menschen. Die Wärme sorgte für ein durchgehend gutes Trachtangebot: der Weißklee (Trifolium repens) auf den Deichen und den endlosen Strandasterflächen (Tripolium pannonicum), die sich im Vorland immer weiter ausbreiten.

Die Infrastruktur der Belegstelle Friedrichskoog hat sich in den letzten Jahren weiter erheblich verbessert. Wir können nunmehr über 2 Resthofflächen verfügen, die sich beide durch einen für die Marsch untypischen dichten Baumbewuchs auszeichnen. Dadurch resultiert ein deutlich wärmeres und windgeschütztes Mikroklima als in der Umgebung – wie geschaffen für eine Belegstelle. Selbst während länger anhaltender Schlechtwetterperioden sind die Begattungsergebnisse relativ konstant. Die Begattung scheint unabhängig von Drohnensammelplätzen in unmittelbarer Nähe bzw. direkt auf der Belegstelle zu erfolgen. Unsere Zuchtgemeinschaft bestehend aus Friederike Brondke, Peter Arndt, Detlev Biel und mir, ist auch in diesem Jahr weiter zu einer Einheit mit einem fast familiären Charakter zusammengewachsen. Wir können die vielen anstehenden Arbeiten nur gemeinsam bewältigen. Jeder vertritt den anderen bedingungslos, wenn Not am Mann ist – immer das Ziel vor Augen: eine in Qualität und Quantität optimale Drohnenversorgung zu gewährleisten.

Im Juni war ich mit meiner Partnerin, Friederike Brondke, zu einem Zuchtlehrgang von Lutz Eggert in Jena. Dabei konnten wir Einblick in seine Zuchtarbeit nehmen, insbesondere konnten wir uns seine auf Hygiene selektierten Königinnen genauer anschauen. Bislang war ich der Annahme, dass eine auf VSH und Hygiene selektierte Biene nicht mit unserer Zuchtphilosophie, einer durchgezüchteten typischen Buckfastbiene, in Einklang stehen würde. Diese Annahme erwies sich als falsch! Die uns gezeigten Völker mit einem 100 %igen Hygieneverhalten hatten eindeutigen Buckfastcharakter. Schwestern  und Töchter dieser Königinnen sind in größerem Umfang in kooperierende Imkereien integriert und haben dort ihre Praxistauglichkeit bei weiter bestehendem Hygieneverhalten unter Beweis gestellt.

Dementsprechend wird die Drohnenmutter 2019 in Friedrichskoog die B15(LE) von Lutz Eggert sein. Ich habe sie von ihm zu einem angemessenen Preis erworben, ist doch die Zucht einer solchen Königin mit hohen Kosten verbunden.

Wir haben von der B15 ausreichend Töchter, um im Frühjahr auf Hygiene zu selektieren und nur Völker mit einem Hygieneverhalten von mehr als 85 % auf die Belegstelle zu stellen.

Unseren Linien im Jahr 2019:

Drohnenmutter 2019 :

B15 (LE) =   .16 –GR 65(LE)    mrk     B59 (MKN)

.15.- B103(IC)  ilv mrk     GR53(MKK)

Eine ausführliche Beschreibung (Evaluation) wird im  Frühjahrsbrief 2019 erfolgen.

Zuchtmütter 2019

B???? (BZF) = .17-B92(DB) frkg144(HS)

Wie in den vergangenen Jahren werden wir von den ca. 35 noch vorhandenen diesjährigen Drohnenvölkern im Frühjahr 4-5 selektieren und davon umlarven. Darum kann auch zu diesem Zeitpunkt noch keine Pedigree Nr. genannt werden. An dieser Stelle liegt meine züchterische Arbeit als Vermehrer. Es ist eine durchgezüchtete Biene, die allen Kriterien einer Buckfast-Biene entspricht und in unserem diesjährigen Frühjahrsbrief detailliert beschrieben wurde. Die Namen Detlev Biel und Stefan Holmer sprechen für sich!

Von diesen Zuchtmüttern können Sie wie gewohnt belegstellenbegattete Buckfastköniginnen und selektierte Königinnen bestellen. Zusätzlich liefern wir selbstverständlich auch wieder standbegattete Wirtschaftsköniginnen. Die Preise für die Wirtschaftsköniginnen sind nicht erhöht worden, aufgrund der deutlich gestiegenen Kosten des Belegstellenbetriebes mussten die Preise für die im Friedrichskoog begatteten Königinnen allerdings angehoben werden.

Wie in den letzten Jahren werden wir einige überwinterte diesjährige Töchter  der Linie

B37(BZF) = .16 – B144(HSt) frkg B27(ABg) abgeben. Es war das herausragende Drohnenvolk in 2017 und hat uns auch in 2018 überzeugt. Die Töchter der B37 wurden in diesem Jahr mit der diesjährigen Drohnenlinie B92(DB) angepaart. Der Versand erfolgt frühestens ab Anfang Mai, wenn die Temperaturen es erlauben.

Bitte bestellen Sie bei Interesse schnell. Es sind nur wenige verfügbar.

NEU: „Hygiene sensitive“-Buckfastkönigin

Darüber hinaus werden wir in einem begrenzten Umfang Töchter von Zuchtmüttern mit einem ausgeprägten Hygieneverhalten anbieten. Diese züchterische Arbeit wird parallel zur gewohnten Zucht durchgeführt und von Detlev Biel koordiniert, der im Folgenden die begrifflichen Grundlagen und unsere geplante Vorgehensweise unserer Zuchtgemeinschaft bei der Erstellung von Bienen mit außergewöhnlichem Hygieneverhalten bzw. mit VSH-Eigenschaften beschreiben wird. Im Frühjahr werden wir nach einer genauen Sichtung entscheiden, welche Mutterlinie hierbei zum Einsatz kommt:

Hygieneverhalten contra Varroaverlust

Detlev Biel: „Liebe Imkerkollegen/-innen, so mancher Imker schaut derzeit zu seinen Völkern und betet innerlich, dass seine Bienen den Winter überstehen und nicht den Varroa-Tod sterben! Wir können dieses gut nachvollziehen, obwohl es meistens nicht der direkte Tod durch die Milben ist, sondern unsere Bienen an den Sekundärfolgen der Varroamilben sterben. Aber langsam, betrachten wir erst einmal was passiert, wenn sich Varroamilben im Volk aufhalten:

Grundsätzlich muss man feststellen, dass unsere Völker einer stetigen Gefahr durch Viren und Bakterien ausgesetzt sind. Diese sind vielerorts ubiquitär (vorhanden), manchmal zufällig oder durch benachbarte Völker verstärkt. Auch können sie einen jahreszeitlichen Effekt haben. Man denke nur an die Amerikanische oder Europäische Faulbrut, Kalk-, Stein- oder Sachbrut, Nosema, Ruhr, Amöbenkrankheit. Wobei die Viren mit 18 verschiedenen Typen deutlich hervortreten. Aber alle Viren und Bakterien haben eines gemeinsam, sie müssen in den Körper der Bienen gelangen. Dieses kann über Futter, Amöben, Nosema apis oder Varroa geschehen. In der Biene vermehren sich diese Viren und Bakterien und die erkrankte Biene wird in der Folge zum „Herd“ der weiteren Infektionskette. In der Folge kann dieses Geschehen dann zum Untergang des ganzen Volkes führen.

So hat Dr. Christoph Otten vom Fachzentrum für Bienen und Imkerei in Mayen mit Hilfe des Bienenmonitorings eindeutig festgestellt: Je mehr Milben sich im Volk aufhalten, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit des Völkerverlustes, da die Varroa, wenn sie an der Hämolymphe (dem Bienenblut) saugt, die vorhandenen Viren in die Biene einschleust und für die weitere Verbreitung sorgt. Diese Viren schädigen dann die Völker so stark, dass sie schon oft vor dem Winter u.a. am Flügeldeformations- oder Akuten-Bienen-Paralyse-Virus sterben.

Wenn man diese Feststellung weiterdenkt, kommt man unweigerlich zum Schluss, dass eine deutliche Reduzierung geschädigter Bienen im Volk die Überlebenschancen des Volkes deutlich erhöht! Und genau hier setzen wir an und möchten Ihnen in der Zukunft helfen! Denn unsere Drohnenlinie in 2019 zeichnet sich durch eine besondere Eigenschaft aus. Unsere Drohnenlinie verfügt über ein besonders ausgeprägtes Hygieneverhalten von mindestens 85%. Was bedeutet das? Die Bienen der Drohnenlinie erkennen in mindestens 85% der Fälle, wenn in einer Zelle die Brut erkrankt und/oder abgestorben ist. Dieses Verhalten ist entscheidend, wenn man die weitere Gesundheit eines Bienenvolkes betrachtet. Je früher eine abgestorbene Larve erkannt und ausgeräumt wird, desto unwahrscheinlicher ist es, dass sich die in der toten Larve vorhandenen Viren oder Bakterien weiterentwickeln. So erreichen die Viren nicht mehr das Stadium der Sporenbildung, da sie schon vor dem Umwandlungsprozeß aus dem Volk entfernt wurden.

Dieses Hygieneverhalten sollte ein zentrales Zuchtziel aller weiteren imkerlichen Bemühungen sein. Besonders wenn man die Situation der Amerikanischen Faulbrut mit dem Erreger Eric II sieht, der sich in vielen Gebieten in Deutschland ausbreitet. Er zeigt sich nicht durch eine fadenziehende Masse der abgestorbenen Brut. Wohl aber stirbt die Brut. Wenn Bienen mit einem besonders ausgeprägten Hygieneverhalten große Teile der toten Brut entfernen, bevor sich die Viren weiter verbreiten, dann sollten Ihnen im Idealfall Völkerverluste erspart bleiben. Zusätzlich zeigt die Drohnenlinie 2019 auch, dass die Bienen mit Varroa infizierte Zellen erkennen und diese häufig ausräumen. Wir sehen dieses immer wieder, wenn wir uns die Brutnester ansehen und dabei auf geöffnete Zellen stoßen, aus denen uns Bienen im Stadium der lila Augen anschauen. Also Bienen die noch nicht die Schlupfreife erreicht haben. Die Bienen haben dann die Milben in der Zelle erkannt und die Zelle geöffnet. Dieses Verhalten reicht, damit die Milben in der Zelle sich nicht weiterentwickeln und sie somit nicht geschlechtsreif werden. Teils entfernen die Bienen dann die Brut noch aus der Zelle, dieses ist aber nicht entscheidend. Entscheidend ist das Öffnen der Zelle, da nur in der verdeckelten Zelle die Metamorphose der Milbe abgeschlossen werden kann. Wir freuen uns sehr über dieses Verhalten, welches als VSH-Verhalten beschrieben wird, wollen es aber nur als mögliche Zusatzeigenschaft/Leistung unserer Bienen sehen, denn um es in Zahlen zu bewerten, müssten alle Drohnenvölker zu einem Zeitpunkt mit einer standardisierten Zahl Milben infiziert werden und später müssten dann Brutzellen im großen Stil geöffnet und bewertet werden. Diese Arbeit ist aber bei der großen Anzahl an Drohnenvölkern, welche auf der Belegstelle und im Schutzgürtel stehen, nicht leistbar. Wohl aber ist es uns möglich, das Hygieneverhalten bei allen Drohnenvölkern zu kontrollieren und nur selektierte Völker mit mindestens 85% Hygieneverhalten aufzustellen.

Da dieses Verhalten ein additives Verhalten ist, setzen wir bei den Königinnen, die wir Ihnen als selektierte „Hygiene“-Königinnen anbieten auch nur Königinnen ein, die auf der mütterlichen Seite mindestens 85% Hygieneverhalten zeigen. Für alle anderen Königinnen-Nachzuchten gilt, die Mütter stammen aus unserer langjährigen Buckfastzucht, wurden aber nicht weiter auf das Hygieneverhalten selektiert. Somit kann durch die Anpaarung das Verhalten erworben werden, muss aber nicht.

Wenn Sie unsere Hygiene-Königinnen erwerben, dann haben Sie den Grundstein für eine erfolgreiche Imkerei, die dem beschriebenen Kollaps-Desaster verhindern kann. Es liegt dann an Ihnen, diese Eigenschaften zu erhalten. Setzen Sie zukünftig nur die Königinnen als Zuchtmütter ein, welche das höchste Hygieneverhalten auf Ihrem Stand haben. Schauen Sie, dass auf ihren Ständen möglichst viele Töchter stehen und so die Wahrscheinlichkeit steigt, dass Ihre F1 Nachzuchten auch dieses Verhalten erwerben. Wenn Sie sich dafür entscheiden, dann testen Sie Ihre Völker wie folgt: Suchen Sie 100 Zellen mit verdeckelter Brut, welche kurz vor dem Schlupf steht und stechen durch den Zelldeckel, mit einer sehr dünnen Nadel, und töten so die Brut.

Besser wäre es, ein Stück verdeckelte Brut, welche sie den Völkern entnehmen, einzufrieren und später davon ein definiertes Brutstück zurück in die Völker zu geben. Dann kontrollieren Sie nach 12 und 24 Stunden, wie viele Zellen die Bienen geöffnet und ausgeräumt haben. Dieses setzen sie in Verhältnis zur Anzahl der gegebenen Brutzellen und ermitteln so den Grad des Ausräumverhaltens ihrer Völker. Diesen Test sollten sie im Herbst, Frühjahr und Sommer wiederholen, da das Hygieneverhalten mit der Jahreszeit etwas schwanken kann. Am höchsten ist es im Frühjahr. Wenn Sie dann „Ihre“ Perle gefunden haben, dann lassen Sie sie möglichst wieder mit Drohnen begatten, welche dieses Hygieneverhalten zeigen.“

Wir denken, dieses ist ein praktikabler Weg, den jeder interessierte Imker mitgehen kann. Natürlich steht für Ihre Perlen dann auch unsere Belegstelle zur Verfügung, um die Sicherheit der Anpaarung Ihrer Königinnen zu erhöhen.

Bestellung/Versand

Bestellen können sie ab sofort wie immer online oder per Bestellformular. Dort finden Sie auch die neuen Preise und Versandtermine. Erster Versandtermin für Wirtschaftsköniginnen wird der 11.06.2019 sein, für im Friedrichskoog begattete Zuchtköniginnen beginnen wir mit dem Versand eine Woche später. Bitte stellen Sie Fragen, Bestellungen etc. primär per E-Mail. Am Telefon sind wir während der Saison nur schwer zu erreichen.

Detaillierte Informationen zur Beschickung der Belegstelle Friedrichskoog stellen wir wie üblich Anfang des Jahres auf unserer Homepage zur Verfügung. Danach sind Voranmeldungen im Rahmen der voraussichtlichen Drohnenverfügbarkeit möglich. Leider werden wir wegen zu langer Lieferzeiten und postalischer Unsicherheiten in folgende Länder Königinnen nur noch per Vorkasse und auf Risiko des Käufers schicken: Rumänien, Bulgarien, Griechenland, Spanien und Portugal. Generell verschicken wir ausschließlich innerhalb der Europäischen Union, da wir keinen Einfluss auf die Bearbeitungszeiten beim Zoll nehmen können.

Lassen Sie mich wie immer mit Theodor Storm schließen:

…..

Und es leuchten Wald und Heide,

Dass man sicher glauben mag,

Hinter allem Winterleide

Lieg` ein ferner Frühlingstag.

 

Rechtzeitig vor jenem fernen Frühlingstag werde ich mich wieder bei Ihnen melden und Ihnen vor allen Dingen über das Hygieneverhalten unserer Drohnenvölker berichten. Bis dahin Ihnen und Ihren Bienen alles Gute und Wohlergehen

Herzlichst Ihr

Ihr Dr. Peter Stöfen

2019 – Frühlingsbrief

Frühjahrsbrief 2019

Liebe Imkerkolleginnen und Imkerkollegen,
liebe Kunden und Freunde unserer Zuchtgemeinschaft,
liebe nichtimkernde Weggefährten!

Vor kurzem hatte ich Gelegenheit, auf dem Oberlausitzer Bienentag zwei ausgewiesenen Bienenexperten zuzuhören. Einer von ihnen war der Zoologe Prof. Dr. R. Paxton von der Universität Halle. Seine Forschungsgruppe konzentriert ihre Arbeit auf Viren, vornehmlich auf das die Bienen betreffende Flügeldeformationsvirus (Deformed Wing Virus/DWV) Er stellte heraus, dass in erster Linie dieses Virus in Verbindung mit der Varroamilbe der Grund für die Völkerverluste ist. Dabei ist das DWV Genom B hochgradig krank-heitserregend, andere Viren spielen eine untergeordnete Rolle. Es ist derzeit nicht möglich, diese Viren direkt zu bekämpfen. Es bleibt uns Imkern nur der Weg der indirekten Bekämpfung über die Reduzierung der Milbenpopulation.

Bei der Vorstellung des Projektes: „Varroa-resistente Biene Sachsen“ listete der Referent anfangs die Palette aller zur Verfügung stehenden Maßnahmen der Milbenbekämpfung auf. Alle sind problembehaftet, sei es durch die Belastung der Bienen als auch durch die aufwendige Betriebstechnik. Folgerichtig will man in Sachsen den Weg der Züchtung einer varroaresistenten Biene einschlagen.

Der eigentliche Grund dafür, dass wir die lange Reise quer durch die Republik in die Oberlausitz eingeschlagen haben, bestand darin, um von Paul Jungels über den aktuellen Stand der Varroaresistenz-Züchtung informiert zu werden. In diesem Zusammenhang sei erwähnt, dass er maßgeblich daran beteiligt war, die Buckfast-Biene in Europa „hoffähig“ zu machen. Weiter gilt er als Vorreiter auf dem Gebiet der Resistenzzucht. Er kann Ergebnisse aufweisen, die vor kurzer Zeit noch undenkbar waren.

Im Frühjahr 2013 war ich in Luxemburg und habe damals den Ausführungen des Amerikaners Bob Danka ent- nommen, dass die Chancen für eine praktische Umsetzung sehr gering seien. Mit dieser gedanklichen Konditionierung bin ich damals nach Hause gefahren. Paul Jungels hat diese Information zum Glück anders interpretiert. Ganz nebenbei sei erwähnt, dass er zweimal Gast in meinem Hause war. Er konnte damals kaum glauben, welche züchterischen Möglichkeiten wir allein über die Dichte und Vielzahl sicherer Belegstellen an der Nordsee haben.

Es ist in diesem Zusammenhang nicht möglich, den Inhalt seines Vortrages auf wenige Sätze zu reduzieren. Der Versuch, die Eckpunkte seiner Vorgehensweise herauszustellen, sei dennoch gewagt:

Ein- Drohn-Besamung: Sie verschafft nach seinen Ausführungen Klarheit. Die Eigenschaften eines Volkes mit nur einem Vater können besser und gezielter beurteilt werden. Wegen des relativ geringen Spermagehaltes in der Spermatheka der Königin, können die Völker nur in kleinen Einheiten (Mini Plus) gehalten werden. Diese Arbeitsweise in Kleinvölkchen wurde weiter entwickelt und dahingehend optimiert, dass diese Völkchen überwintert werden können und erst im Folgejahr geprüft werden. Durch die Ein-Drohn-Besamung (SDI) wird die Anzahl erforderlicher Versuche gegenüber einer Befruchtung mit Drohnen unterschiedlicher Herkunft deutlich reduziert.

Den in Minibeuten gehaltenen Völkchen werden 3 hellbraune Waben in die Mitte des Brutnestes gesetzt. Innerhalb von 36 Stunden sind diese einheitlich bestiftet und werden dann mit 120-150 Milben infiziert. 14 oder 24 Tage später wird die Brut ausgezählt. Die verdeckelte Brut wird Zelle um Zelle geöffnet und der Varroabefall erfasst. Erst durch diesen Test können positive VSH (Varroa Sensitive Hygiene) Erbanlagen erfasst werden.

 Die Auslese auf VSH ist deutlich schwieriger als der übliche Hygienetest der verdeckelten Brut. Das Auszählen und Auswerten der Völker kann nur bei einem hohen Varroadruck, also alljährlich gegen Ende der Saison und mit einem hohen Zeitaufwand erfolgen. Auch auf Nachfrage wurde bestätigt, dass Bruthygiene und VSH nur bedingt miteinander korrelieren.

 In unserer Imkerei kann ebensowenig wie in der Buckfastzuchtgemeinschaft Friedrichskoog die oben geschilderte Arbeit von Paul Jungels geleistet werden. Dementsprechend sprechen wir bei unseren Buckfast-Königinnen auch nicht von VSH-Königinnen. Auch wenn die Eltern durch die oben beschriebene Überprüfung VSH-Erbanlagen aufweisen, müssen die Töchter es nicht zwingend haben. Jede andere Behauptung wäre unseriös und gegenüber allen Beteiligten, die sich an der Züchtung von VSH Erbanlagen beteiligen, unfair.

Wir werden dennoch den Hygienetest auch weiterhin durchführen. Gleichzeitig wird zukünftig teilweise von Königinnen nachgezogen, die überprüfte VSH-Eigenschaften besitzen. So ist die diesjährige Drohnenmutter auf der Belegstelle Friedrichskoog im Jahre 2015 letztmalig behandelt worden. Es ist davon auszugehen, dass sie mit der Milbe fertig wird. Wir gehen den Weg: Die Königinnen ohne jegliche Behandlung älter werden zu lassen und den natürlichen Milbenfall auszuwerten.

Gleichzeitig werden wir die bewährten Buckfasteigenschaften im Auge behalten. Diese Biene hat mich über Jahre begleitet. Ich möchte sie nicht missen und ohne sie wäre ich heute wahrscheinlich kein Imker mehr. Möge uns der Spagat gelingen, mit einer Biene zu arbeiten, die hohe Honigerträge bringt, schwarmträge und sanftmütig ist und parallel dazu mit der Milbe fertig wird. Sie wird von uns nicht als VSH Königin deklariert. In dieses hohe Ziel werden wir in den nächsten Jahren alle unsere imkerliche Kraft legen. Wir sind zuversichtlich, dass es uns gelingt.

Unseren Linien im Jahr 2019:

Drohnenmutter (Belegsstelle Friedrichskoog)

B15 (LE) = .16 – GR 65(LE) mrk B59 (MKN)

.15.- B103(IC) ilv mrk GR53(MKK)

Die Beschreibung der B15 erfolgt in Kürze auf der im Aufbau befindlichen Website der Landbelegstelle Friedrichskoog. Sie wird seit nunmehr ca. 1.100 Tagen mit der Milbe fertig und weist allein durch die viermalige Anpaarung auf Belegstellen alle gewünschten Buckfast-Eigenschaften auf. In diesen Tagen haben wir alle unsere potentiellen Drohnen-völker einem Hygiene-Test mit Kältespray unterzogen. Lediglich 3 von 52 Völkern lagen im Ausräumverhalten unter 85 %.

Zuchtmütter 2019

B69 (BZF) = .17-B92(DB) frkg144(HS)

B52 (BZF) = .17-B92(DB) frkg144(HS)

B71 (BZF) = .17-B92(DB) frkg144(HS)

 

Wie in den vergangenen Jahren haben wir von den ca. 35 noch vorhandenen letztjährigen Drohnenvölkern in diesen Tagen 3 selektiert und werden davon umlarven.

Und primär an dieser Stelle liegt meine Arbeit auch als Züchter und als Vermehrer. Es ist eine durchgezüchtete Biene, die allen Kriterien einer Buckfast-Biene entspricht und in unserem Frühjahrsbrief 2018 detailliert beschrieben wurde. Von diesen Zuchtmüttern können Sie wie gewohnt standbegattete Wirtschaftsköniginnen, belegstellenbegatte Königinnen und selektierte Königinnen beziehen. Die Preise für die Wirtschaftsköniginnen konnten wir auf dem Vorjahresniveau belassen. Aufgrund der deutlich gestiegenen Kosten des Belegstellenbetriebes haben wir die Preise für die auf der Belegstelle Friedrichskoog begatteten Königinnen etwas angehoben.

Darüber hinaus werden wir, in einem begrenzten Umfang, Töchter von Zuchtmüttern mit einem ausgeprägten Hygieneverhalten anbieten, welche auch gleichzeitig mit der Milbe fertig werden. Vornehmlich werden es Nachzuchten von Jos und Annette Guth und von Detlev Biel sein, die auf der Belegstelle Friedrichskoog angepaart werden. Die entsprechenden Pedigrees werden wir den jeweiligen Königinnen beifügen. Das große Interesse und die hohe Anzahl an Bestellungen für die Hygiene-Königinnen zeigt, dass viele Imker ähnlich denken und mit uns diesen Weg beschreiten wollen. Diese züchterische Arbeit wird parallel zur gewohnten Zucht durchgeführt. Im Herbst- brief 2018 und auf der im Aufbau befindlichen Webseite der Belegstelle Friedrichskoog (www.buckfast-belegstelle-friedrichskoog.de) werden die begrifflichen Grundlagen und die geplante Vorgehensweise der Zuchtgemeinschaft bei der Erstellung von Bienen mit Hygieneverhalten bzw. mit VSH-Eigenschaften beschrieben.

Bestellen können Sie ab sofort wie immer auf unserer Homepage www.buckfast-zucht.de, die wir in diesen Tagen „nebenbei“ auch noch komplett erneuern, oder mit angehängtem Bestellformular. Dort finden Sie auch die neuen Preise und Versandtermine. Erster Versandtermin für Wirtschaftsköniginnen ist der 11.06.2019, für im Friedrichskoog begattete Königinnen beginnen wir mit dem Versand etwas später. Und bereits mit der Bestellung teilen wir Ihnen das Versanddatum mit, damit Sie entsprechend planen können.

Bewährt hat sich im letzten Jahr, dass wir innerhalb Deutschlands ausschließlich per dhl-Express verschicken. Und auch der Versand ins Ausland mit einem RFID-Responder hat in den meisten Ländern schon ganz gut geklappt. Da die Expresscarrier keine Bienen in ihren Fliegern befördern, haben wir dazu auch keine Alternative. Angesichts der immens hohen Nachfrage empfehlen wir, bei Bedarf zeitnah zu bestellen.

Bitte machen Sie bei Nachfragen primär von der E-Mail Gebrauch. Unsere Belastung steigt jetzt sprunghaft an, so dass wir telefonisch kaum erreichbar sind. Von Mo.-Sa., 17.00 – 19.00 Uhr versuchen wir, für Sie erreichbar zu sein. Auf E-Mails können wir in der Regel aber noch am selben Tag reagieren!

Möge uns ein gutes Bienenjahr beschieden sein, mögen wir eine glückliche imkerliche Hand haben und möge über uns und unseren Bienen ein guter Stern stehen. In diesem Sinne wünsche ich Ihnen Erfolg und vor allen Dingen persönliche Sinnerfüllung im Umgang mit Ihren Schützlingen.

Herzlichst

Ihr Peter Stöfen

Download Frühlingsbrief 2019 als pdf hier: 2019 Frühjahrsbrief

Frühlingsbrief 2017

Imkermeister Dr. Peter Stöfen
Frühlingsbrief 2017

Liebe Imkerkolleginnen und Imkerkollegen,
Liebe Kunden und Freunde unserer Zuchtgemeinschaft.
Liebe nichtimkernde Weggefährten.

Wenige Tage bevor wir mit dem Umlarven beginnen werden, gilt es für mich noch einmal inne zu halten und unseren alljährlichen Frühlingsbrief zu schreiben. Anfang April war es noch sehr kalt bei uns, aber zum Glück sind alle Wetterkapriolen nicht die Angelegenheit von uns Menschen. Die nebenstehenden Gedanken Goethes sind ein einzigartiger Ausdruck seiner wertschätzenden Achtung und Liebe gegenüber der Natur und gegenüber der Schöpfung. Kein Wunder – war er doch selbst Imker. Bienen schienen wie selbstverständlich zu seinem Garten zu gehören, auch wenn er wenig über sie geschrieben hat. Aber man könnte meinen, die Zeilen würden sich allein auf die Bienen beziehen. In diesem Sinne sollten wir immer versuchen, aufs Neue in unsere Bienen hinein zu hören. Ihren Stimmen zu lauschen, ihr Wesen zu betrachten und sie natürlich immer wieder zu bestaunen.

Freudig war vor vielen Jahren
Eifrig so der Geist bestrebt,
Zu erforschen, zu erfahren,
Wie Natur im Schaffen lebt.
Und es ist das ewig Eine,
Das sich vielfach offenbart:
Klein das Große, groß das Kleine,
Alles nach der eignen Art;
Immer wechselnd, fest sich haltend,
Nah und fern und fern und nah,
So gestaltend, umgestaltend-
Zum Erstaunen bin ich da.

Wie wenig ist von diesem Geist in der heutigen Zeit zu spüren. Es stünde um die Natur, um unsere Bienen ungleich besser, wenn viele primär materialistisch geprägte Menschen nur ein wenig von diesem Verständnis besäßen. Wir Imker können stolz auf uns sein, in dieser Hinsicht über den Dingen zu stehen und nehmen dabei eine einzigartige Vorbildfunktion ein.

Die Vergewaltigung der Natur und die damit verbundene Zerstörung der Lebensgrundlage unserer Bienen, nehmen entgegen aller gesell-schaftlichen Lippenbekenntnisse immer schlimmere Ausmaße an. Wir sollten uns davon nicht entmutigen lassen, unbeirrt weiter imkern und damit unseren Beitrag für eine bessere Welt leisten. Das muss auch ich mir immer wieder ins Bewusstsein rufen, damit mein Zorn über die verseuchte grüne Welt in handfeste und philosophische Bahnen gelenkt wird.

Die Milbe bereitet wohl jedem von uns immer größere Sorgen. Behandlungskonzepte, die gestern noch relativ sicher funktionierten, er-weisen sich immer öfter als wirkungslos. Der fassungslose Anblick toter Völker dürfte mit das Schlimmste sein, was einem im Imkerleben passieren kann und rüttelt am seelischen Fundament.

Aus meiner persönlichen, natürlich auch leidvollen Erfahrung, haben wir nach dem Trachtende von fast allen Völkern Kunstschwärme gemacht und alle Brut in sog. Brutscheunen auslaufen lassen. Damit kann man sie effizient und relativ sicher von ihrer Geißel befreien. Ein Flugling geht natürlich auch, wenn gut die Hälf-te der Bienen aus dem Brutraum dazu gefegt wird, ansonsten hätte man nur alte Bienen im neuen Volk. Wie erwähnt kommen alle bebrüteten Waben in eine Brutscheune bzw. Brutsammler was natürlich mehr Böden, Zargen und Deckel voraussetzt. Dieser Turm wird woanders aufgestellt, aus ihm wird kontinuierlich Bienenfleisch für neue Kunstschwärme und zur Verstärkung aller Völker entnommen. Sind schon die ersten flügellosen Bienen (Pinguine) zu sehen, werden alle Waben konsequent eingeschmolzen. Das tut weh! Der Flugling wird mit neuer oder alter Königin versehen und auf Mittelwände bzw. helle Waben gesetzt und mit einem Schied eng gehalten. Mit einer dünnflüssigen nektarähnlichen Futterlösung gefüttert und nach der ersten Eiablage mit Oxalsäure beträufelt. Die so behandelten Völker haben zum allergrößten Teil überlebt und in guter Volksstärke ausgewintert.

Noch besser erscheint es uns, ca. 1,5 kg Bienen in eine Box zu fegen. Sie mit 50 ml 3,5 % iger Oxalsäure waschmaschinenartig durchzuschüt-teln. Für einen Tag – ohne Königin! – kühl und dunkel stellen und sie abends dann wie beschrieben einzulogieren. Wahrscheinlich ist der Kontakt mit dem Medikament noch besser und intensiver. Das alles ist nicht neu und keines-falls von mir erfunden. Das von Herrn Dr. Rüttner entwickelte und beschriebene Verfahren (Vitale Völker durch komplette Brutentnahme) erschien mir lange Jahre zu arbeitsaufwendig und umständlich. Wir haben es mittlerweile in unsere Arbeitsabläufe rationell integriert. Nochmals: Es funktioniert und ich möchte es nicht mehr missen. Mein Mitarbeiter Waldemar und ich haben die feste Absicht, rechtzeitig vor dem Abschleudern ein kleines Video zu drehen und auf unseren Youtube-Kanal hochzuladen, um ihnen diese Methode zu demonstrieren.

Mit der Ameisensäure bin ich nicht so gut zurechtgekommen. Aber das dürfte an meinem Unvermögen und der Angst, wertvolle Königinnen zu verlieren, liegen. Wenn Sie damit zurechtkommen, machen sie es unbedingt weiter. Never, never change a winning team!

Mit synthetischen Mitteln gerate ich ebenfalls zunehmend mehr auf Kriegsfuß. Es hat allerdings lange, viel zu lange gedauert. Die emotionale Bindung an die Chemie und die damit verbundene angebliche Befreiung vom Joch der Handarbeit wirkten wie eine Blockade im Denken. Für die meisten von uns gibt es gute Gründe, gänzlich auf die Chemie zu verzichten bzw. sie lediglich im äußersten Notfall zu verwenden. Die Gründe sind hinlänglich bekannt. Ein Aspekt, der den meisten Imkern nicht bekannt sein dürfte, mich als Landwirt jedoch sprachlos macht, ist die Preispolitik der Kartelle. Ist sie doch einzigartiger Ausdruck der Geringschätzung gegenüber uns Imkern. Fast alle Wirkstoffe, die heute in der Milbenbekämpfung bei den Bienen Anwendung finden, wurden zunächst bei anderen Nutztieren eingesetzt, insbesondere bei Schafen und Rindern. Sobald dieser Wirkstoff uns an die Hand gegeben wird, kostet er mindestens das 4-500 fache dessen, was er ursprünglich bei den erwähn-ten Nutztieren gekostet hat. Unsere Standespolitik scheint das nicht zu interessieren.

Vielleicht ist die Imkerschaft auch nur zu klein und volkswirtschaftlich zu bedeutungslos, um sich eine effiziente Lobbyarbeit zu leisten? Und das wird gnadenlos ausgenutzt. In diese Feststellung möchte ich alle kleinen und mittelständischen Nahrungsmittelerzeuger eingeschlossen wissen. Auch wenn wir Imker/Landwirte aufgrund der bedeutungslosen finanziellen Wertschöpfung einem gewissen Sonderstatus unterliegen, sind wir politisch und gesellschaftlich offensichtlich nicht ge-wollt. Oder anders ausgedrückt, unser Honig ist viel zu billig! Die meisten Nahrungsmittel sind zu diesen Preisen nur über industrielle Massenproduktion zu erstellen. Ein Trend, der sich immer schneller zu verstärken scheint. Geht es uns in der Summe wirklich besser, wenn wir uns immer billiger ernähren können und dafür immer mehr Geld für den übrigen Konsum übrig bleibt? Die Frage sei erlaubt: Wem nützt es, wem schadet es? Ist es der Wille der Politik, könnte dieser Entwicklung in irgendeiner Form entgegengesteuert werden?

Doch lassen Sie uns nach diesen nachdenklichen Worten jetzt positiv in die Zukunft, sprich die neue Saison blicken. Nachdem wir erstmalig in diesem Jahr eine begrenzte Anzahl überwinterter Königinnen verkauft haben, konzentrieren wir uns jetzt vollkommen auf die Belegstelle.

Unsere Linien im Jahr 2017:
Zuchtmutter 2017
Wie in den letzten Jahren werden wir auch in 2017 von den besten Töchtern der vorjährigen Drohnenmütter nachziehen. In diesem Jahr von der B27 von Andreas Bendig.
20 von ihnen hatte ich bereits im letzten Herbst in die engere Wahl genommen. Gestern war Flugwetter, sodass ich die endgültige Selekti-onsentscheidung treffen konnte.
Auch die kann naturgemäß nicht 100 %ig objektiv sein, aber ich nehme für mich in Anspruch, eine Königin ausgesucht zu haben, welche die an sie gestellten Erwartungen der Buckfast-Zucht weitestgehend erfüllt. Hauptkriterium war der letztjährige Honigertrag lm Raps. Andere Selektionskriterien unterliegen zum Teil immer noch einem gewissen Bauchgefühl, Instinkt und Intuition. Unsere Zuchtmutter in 2017 wird die
B17(BZF) = .15-B27(ABg) frkg B49(DB) sein.
Details zur Genetik entnehmen Sie bitte dem Breeding Programm der europäischen Buckfast-Imker.
Weitere 3 Königinnen (B19, B22 und B23) gleicher Abstammung und mit nahezu identischen Merkmalen stehen als Reserve im Raps und werden ggfls. für die Nachzucht verwendet. Falls es aus derzeit unvorhersehbaren Gründen dazu kommen sollte, werden wir dieses auf den Zuchtkarten selbstverständlich entsprechend deklarieren.

Drohnenmutter 2017

Wie in unserem Herbstbrief bereits erwähnt, stammt unsere Drohnenmutter für 2017 aus Bayern und wurde von Stefan Holmer gezüchtet. Ich kenne ihn noch nicht persönlich, aber in diesem Jahr wird er unsere Belegstelle beschicken – darauf freue ich mich! Seine Pedigrees sprechen für sich und für die Intensität seiner Zuchtarbeit. Er hat mit seinen Königinnen regel-mäßig alle bedeutenden Belegstellen, unter anderem auch die beiden von Eugen Neuhauser, beschickt und verfügt allein deshalb über einen enormen Erfahrungsschatz in der Kombinationszucht. Seine B 144(HST) hat er mir im Herbst 2015 überlassen.

B144(HST) =                 .14-B63(HST)hbgB101(CHP)    :     imq.13-B63(TR)hbgB235(PJ)
.12-B137(TR)balB72(TR)     :     .11-B55(TR) bal GR109(TR)

Die Abstammung ist allein aufgrund der dahinterstehenden Namen vielversprechend und gemäß unserer Philosophie absolut durchgezüchtet. Wir wollen mit unseren Drohnen nicht experimentieren, sondern streben eine Erhaltungszucht bestehender, bewährter Buckfastlinien an. Die züchterische Arbeit von Thomas Rüppel ist in diesem Zusammenhang einzigartig und bedarf eigentlich keiner besonderen Würdigung. Einer der ersten, der das erkannt hat, war übrigens Bruder ADAM. In der gleichen Liga bewegt sich auch Paul Jungels. Die Töchter seiner B235 sind mir immer noch in sehr guter Erinnerung, leider wurden sie mir durch eine Unachtsamkeit von der Milbe genommen, aber nun ist die Linie über diesen Umweg wieder zu uns zurückgekehrt.
Welch eine glückliche Fügung!

Bestellungen / Kontakt
Da die Arbeit jetzt wieder schlagartig zunimmt, bitten wir darum, Fragen und Bestellungen möglichst über unsere Homepage www.buckfast-zucht.de bzw. per E-Mail durchzuführen. Erstmalig in dieser Saison haben wir für dringende Fragen zu Bestellungen und zum Versand während der Saison (ab Anfang Juni) eine Hotline eingerichtet. Dort erreichen Sie Herrn Steinfeld direkt per Telefon/SMS/WhatsApp. Wir bitten um Verständnis, dass diese Nummer außerhalb dieser Zeiten nicht bedient wird. Imkern mit einem Handy in der Hand ist ein schwieriges Geschäft und verhindert ein konzentriertes Arbeiten!

Mo.-Sa., 16.00 – 18.00 Uhr
Telefon/WhatsApp/SMS
+49-(0)178 – 111 70 04

Allerdings würden Sie uns unsere Arbeit ungemein erleichtern, bevorzugt per E-Mail:
info@buckfast-zucht.de mit uns zu kommunizieren. So geht in der Hektik des Tagesgeschäftes nichts verloren und Sie erhalten schnell eine Antwort.

Versandtermine 2017:
Der Versand unserer Königinnen startet am 6. Juni 2017. In der Regel versenden wir allerdings immer Montags. Dann können wir in Ruhe am Sonntag die Königinnen absammeln und versandfertig machen.
Außerdem ersparen wir den Königinnen den Stress, ein Wochenende evtl. auf der Post zu verbringen, falls sich die Lieferung verzögert.

Wie üblich werden wir Ihnen rechtzeitig, ca. 1 Woche vor dem Versand, den in der Auf-tragsbestätigung zugesagten Versandtermin per E-Mail bestätigen. Das hat sich in den letzten Jahren bewährt. Im letzten Jahr mussten wir übrigens die bereits bei Bestellung zugesagten Liefertermine nur ein einziges Mal um 2 Tage verschieben, da uns ein Sturm das Arbeiten auf der Belegstelle unmöglich machte.

Derzeit nehmen wir noch Bestellungen für Wirtschaftsköniginnen, belegstellenbegattete und selektierte Königinnen an. Bitte bestellen Sie bei Interesse rechtzeitig. Im Rahmen unserer Möglichkeiten versuchen wir selbstverständlich, auch kurzfristige Lieferungen möglich zu machen.

Eine Übersicht mit Preisen und Versandoptionen ist beigefügt.

Möge uns ein gutes Bienenjahr beschieden sein, mögen wir eine glückliche imkerliche Hand ha-ben und möge über uns und unseren Bienen ein guter Stern stehen. In diesem Sinne wünsche ich Ihnen Erfolg und vor allen Dingen persönliche Sinnerfüllung im Umgang mit Ihren Schützlingen.
Herzlichst Ihr

Dr. Peter Stöfen