Frühlingsbrief 2017

Imkermeister Dr. Peter Stöfen
Frühlingsbrief 2017

Liebe Imkerkolleginnen und Imkerkollegen,
Liebe Kunden und Freunde unserer Zuchtgemeinschaft.
Liebe nichtimkernde Weggefährten.

Wenige Tage bevor wir mit dem Umlarven beginnen werden, gilt es für mich noch einmal inne zu halten und unseren alljährlichen Frühlingsbrief zu schreiben. Anfang April war es noch sehr kalt bei uns, aber zum Glück sind alle Wetterkapriolen nicht die Angelegenheit von uns Menschen. Die nebenstehenden Gedanken Goethes sind ein einzigartiger Ausdruck seiner wertschätzenden Achtung und Liebe gegenüber der Natur und gegenüber der Schöpfung. Kein Wunder – war er doch selbst Imker. Bienen schienen wie selbstverständlich zu seinem Garten zu gehören, auch wenn er wenig über sie geschrieben hat. Aber man könnte meinen, die Zeilen würden sich allein auf die Bienen beziehen. In diesem Sinne sollten wir immer versuchen, aufs Neue in unsere Bienen hinein zu hören. Ihren Stimmen zu lauschen, ihr Wesen zu betrachten und sie natürlich immer wieder zu bestaunen.

Freudig war vor vielen Jahren
Eifrig so der Geist bestrebt,
Zu erforschen, zu erfahren,
Wie Natur im Schaffen lebt.
Und es ist das ewig Eine,
Das sich vielfach offenbart:
Klein das Große, groß das Kleine,
Alles nach der eignen Art;
Immer wechselnd, fest sich haltend,
Nah und fern und fern und nah,
So gestaltend, umgestaltend-
Zum Erstaunen bin ich da.

Wie wenig ist von diesem Geist in der heutigen Zeit zu spüren. Es stünde um die Natur, um unsere Bienen ungleich besser, wenn viele primär materialistisch geprägte Menschen nur ein wenig von diesem Verständnis besäßen. Wir Imker können stolz auf uns sein, in dieser Hinsicht über den Dingen zu stehen und nehmen dabei eine einzigartige Vorbildfunktion ein.

Die Vergewaltigung der Natur und die damit verbundene Zerstörung der Lebensgrundlage unserer Bienen, nehmen entgegen aller gesell-schaftlichen Lippenbekenntnisse immer schlimmere Ausmaße an. Wir sollten uns davon nicht entmutigen lassen, unbeirrt weiter imkern und damit unseren Beitrag für eine bessere Welt leisten. Das muss auch ich mir immer wieder ins Bewusstsein rufen, damit mein Zorn über die verseuchte grüne Welt in handfeste und philosophische Bahnen gelenkt wird.

Die Milbe bereitet wohl jedem von uns immer größere Sorgen. Behandlungskonzepte, die gestern noch relativ sicher funktionierten, er-weisen sich immer öfter als wirkungslos. Der fassungslose Anblick toter Völker dürfte mit das Schlimmste sein, was einem im Imkerleben passieren kann und rüttelt am seelischen Fundament.

Aus meiner persönlichen, natürlich auch leidvollen Erfahrung, haben wir nach dem Trachtende von fast allen Völkern Kunstschwärme gemacht und alle Brut in sog. Brutscheunen auslaufen lassen. Damit kann man sie effizient und relativ sicher von ihrer Geißel befreien. Ein Flugling geht natürlich auch, wenn gut die Hälf-te der Bienen aus dem Brutraum dazu gefegt wird, ansonsten hätte man nur alte Bienen im neuen Volk. Wie erwähnt kommen alle bebrüteten Waben in eine Brutscheune bzw. Brutsammler was natürlich mehr Böden, Zargen und Deckel voraussetzt. Dieser Turm wird woanders aufgestellt, aus ihm wird kontinuierlich Bienenfleisch für neue Kunstschwärme und zur Verstärkung aller Völker entnommen. Sind schon die ersten flügellosen Bienen (Pinguine) zu sehen, werden alle Waben konsequent eingeschmolzen. Das tut weh! Der Flugling wird mit neuer oder alter Königin versehen und auf Mittelwände bzw. helle Waben gesetzt und mit einem Schied eng gehalten. Mit einer dünnflüssigen nektarähnlichen Futterlösung gefüttert und nach der ersten Eiablage mit Oxalsäure beträufelt. Die so behandelten Völker haben zum allergrößten Teil überlebt und in guter Volksstärke ausgewintert.

Noch besser erscheint es uns, ca. 1,5 kg Bienen in eine Box zu fegen. Sie mit 50 ml 3,5 % iger Oxalsäure waschmaschinenartig durchzuschüt-teln. Für einen Tag – ohne Königin! – kühl und dunkel stellen und sie abends dann wie beschrieben einzulogieren. Wahrscheinlich ist der Kontakt mit dem Medikament noch besser und intensiver. Das alles ist nicht neu und keines-falls von mir erfunden. Das von Herrn Dr. Rüttner entwickelte und beschriebene Verfahren (Vitale Völker durch komplette Brutentnahme) erschien mir lange Jahre zu arbeitsaufwendig und umständlich. Wir haben es mittlerweile in unsere Arbeitsabläufe rationell integriert. Nochmals: Es funktioniert und ich möchte es nicht mehr missen. Mein Mitarbeiter Waldemar und ich haben die feste Absicht, rechtzeitig vor dem Abschleudern ein kleines Video zu drehen und auf unseren Youtube-Kanal hochzuladen, um ihnen diese Methode zu demonstrieren.

Mit der Ameisensäure bin ich nicht so gut zurechtgekommen. Aber das dürfte an meinem Unvermögen und der Angst, wertvolle Königinnen zu verlieren, liegen. Wenn Sie damit zurechtkommen, machen sie es unbedingt weiter. Never, never change a winning team!

Mit synthetischen Mitteln gerate ich ebenfalls zunehmend mehr auf Kriegsfuß. Es hat allerdings lange, viel zu lange gedauert. Die emotionale Bindung an die Chemie und die damit verbundene angebliche Befreiung vom Joch der Handarbeit wirkten wie eine Blockade im Denken. Für die meisten von uns gibt es gute Gründe, gänzlich auf die Chemie zu verzichten bzw. sie lediglich im äußersten Notfall zu verwenden. Die Gründe sind hinlänglich bekannt. Ein Aspekt, der den meisten Imkern nicht bekannt sein dürfte, mich als Landwirt jedoch sprachlos macht, ist die Preispolitik der Kartelle. Ist sie doch einzigartiger Ausdruck der Geringschätzung gegenüber uns Imkern. Fast alle Wirkstoffe, die heute in der Milbenbekämpfung bei den Bienen Anwendung finden, wurden zunächst bei anderen Nutztieren eingesetzt, insbesondere bei Schafen und Rindern. Sobald dieser Wirkstoff uns an die Hand gegeben wird, kostet er mindestens das 4-500 fache dessen, was er ursprünglich bei den erwähn-ten Nutztieren gekostet hat. Unsere Standespolitik scheint das nicht zu interessieren.

Vielleicht ist die Imkerschaft auch nur zu klein und volkswirtschaftlich zu bedeutungslos, um sich eine effiziente Lobbyarbeit zu leisten? Und das wird gnadenlos ausgenutzt. In diese Feststellung möchte ich alle kleinen und mittelständischen Nahrungsmittelerzeuger eingeschlossen wissen. Auch wenn wir Imker/Landwirte aufgrund der bedeutungslosen finanziellen Wertschöpfung einem gewissen Sonderstatus unterliegen, sind wir politisch und gesellschaftlich offensichtlich nicht ge-wollt. Oder anders ausgedrückt, unser Honig ist viel zu billig! Die meisten Nahrungsmittel sind zu diesen Preisen nur über industrielle Massenproduktion zu erstellen. Ein Trend, der sich immer schneller zu verstärken scheint. Geht es uns in der Summe wirklich besser, wenn wir uns immer billiger ernähren können und dafür immer mehr Geld für den übrigen Konsum übrig bleibt? Die Frage sei erlaubt: Wem nützt es, wem schadet es? Ist es der Wille der Politik, könnte dieser Entwicklung in irgendeiner Form entgegengesteuert werden?

Doch lassen Sie uns nach diesen nachdenklichen Worten jetzt positiv in die Zukunft, sprich die neue Saison blicken. Nachdem wir erstmalig in diesem Jahr eine begrenzte Anzahl überwinterter Königinnen verkauft haben, konzentrieren wir uns jetzt vollkommen auf die Belegstelle.

Unsere Linien im Jahr 2017:
Zuchtmutter 2017
Wie in den letzten Jahren werden wir auch in 2017 von den besten Töchtern der vorjährigen Drohnenmütter nachziehen. In diesem Jahr von der B27 von Andreas Bendig.
20 von ihnen hatte ich bereits im letzten Herbst in die engere Wahl genommen. Gestern war Flugwetter, sodass ich die endgültige Selekti-onsentscheidung treffen konnte.
Auch die kann naturgemäß nicht 100 %ig objektiv sein, aber ich nehme für mich in Anspruch, eine Königin ausgesucht zu haben, welche die an sie gestellten Erwartungen der Buckfast-Zucht weitestgehend erfüllt. Hauptkriterium war der letztjährige Honigertrag lm Raps. Andere Selektionskriterien unterliegen zum Teil immer noch einem gewissen Bauchgefühl, Instinkt und Intuition. Unsere Zuchtmutter in 2017 wird die
B17(BZF) = .15-B27(ABg) frkg B49(DB) sein.
Details zur Genetik entnehmen Sie bitte dem Breeding Programm der europäischen Buckfast-Imker.
Weitere 3 Königinnen (B19, B22 und B23) gleicher Abstammung und mit nahezu identischen Merkmalen stehen als Reserve im Raps und werden ggfls. für die Nachzucht verwendet. Falls es aus derzeit unvorhersehbaren Gründen dazu kommen sollte, werden wir dieses auf den Zuchtkarten selbstverständlich entsprechend deklarieren.

Drohnenmutter 2017

Wie in unserem Herbstbrief bereits erwähnt, stammt unsere Drohnenmutter für 2017 aus Bayern und wurde von Stefan Holmer gezüchtet. Ich kenne ihn noch nicht persönlich, aber in diesem Jahr wird er unsere Belegstelle beschicken – darauf freue ich mich! Seine Pedigrees sprechen für sich und für die Intensität seiner Zuchtarbeit. Er hat mit seinen Königinnen regel-mäßig alle bedeutenden Belegstellen, unter anderem auch die beiden von Eugen Neuhauser, beschickt und verfügt allein deshalb über einen enormen Erfahrungsschatz in der Kombinationszucht. Seine B 144(HST) hat er mir im Herbst 2015 überlassen.

B144(HST) =                 .14-B63(HST)hbgB101(CHP)    :     imq.13-B63(TR)hbgB235(PJ)
.12-B137(TR)balB72(TR)     :     .11-B55(TR) bal GR109(TR)

Die Abstammung ist allein aufgrund der dahinterstehenden Namen vielversprechend und gemäß unserer Philosophie absolut durchgezüchtet. Wir wollen mit unseren Drohnen nicht experimentieren, sondern streben eine Erhaltungszucht bestehender, bewährter Buckfastlinien an. Die züchterische Arbeit von Thomas Rüppel ist in diesem Zusammenhang einzigartig und bedarf eigentlich keiner besonderen Würdigung. Einer der ersten, der das erkannt hat, war übrigens Bruder ADAM. In der gleichen Liga bewegt sich auch Paul Jungels. Die Töchter seiner B235 sind mir immer noch in sehr guter Erinnerung, leider wurden sie mir durch eine Unachtsamkeit von der Milbe genommen, aber nun ist die Linie über diesen Umweg wieder zu uns zurückgekehrt.
Welch eine glückliche Fügung!

Bestellungen / Kontakt
Da die Arbeit jetzt wieder schlagartig zunimmt, bitten wir darum, Fragen und Bestellungen möglichst über unsere Homepage www.buckfast-zucht.de bzw. per E-Mail durchzuführen. Erstmalig in dieser Saison haben wir für dringende Fragen zu Bestellungen und zum Versand während der Saison (ab Anfang Juni) eine Hotline eingerichtet. Dort erreichen Sie Herrn Steinfeld direkt per Telefon/SMS/WhatsApp. Wir bitten um Verständnis, dass diese Nummer außerhalb dieser Zeiten nicht bedient wird. Imkern mit einem Handy in der Hand ist ein schwieriges Geschäft und verhindert ein konzentriertes Arbeiten!

Mo.-Sa., 16.00 – 18.00 Uhr
Telefon/WhatsApp/SMS
+49-(0)178 – 111 70 04

Allerdings würden Sie uns unsere Arbeit ungemein erleichtern, bevorzugt per E-Mail:
info@buckfast-zucht.de mit uns zu kommunizieren. So geht in der Hektik des Tagesgeschäftes nichts verloren und Sie erhalten schnell eine Antwort.

Versandtermine 2017:
Der Versand unserer Königinnen startet am 6. Juni 2017. In der Regel versenden wir allerdings immer Montags. Dann können wir in Ruhe am Sonntag die Königinnen absammeln und versandfertig machen.
Außerdem ersparen wir den Königinnen den Stress, ein Wochenende evtl. auf der Post zu verbringen, falls sich die Lieferung verzögert.

Wie üblich werden wir Ihnen rechtzeitig, ca. 1 Woche vor dem Versand, den in der Auf-tragsbestätigung zugesagten Versandtermin per E-Mail bestätigen. Das hat sich in den letzten Jahren bewährt. Im letzten Jahr mussten wir übrigens die bereits bei Bestellung zugesagten Liefertermine nur ein einziges Mal um 2 Tage verschieben, da uns ein Sturm das Arbeiten auf der Belegstelle unmöglich machte.

Derzeit nehmen wir noch Bestellungen für Wirtschaftsköniginnen, belegstellenbegattete und selektierte Königinnen an. Bitte bestellen Sie bei Interesse rechtzeitig. Im Rahmen unserer Möglichkeiten versuchen wir selbstverständlich, auch kurzfristige Lieferungen möglich zu machen.

Eine Übersicht mit Preisen und Versandoptionen ist beigefügt.

Möge uns ein gutes Bienenjahr beschieden sein, mögen wir eine glückliche imkerliche Hand ha-ben und möge über uns und unseren Bienen ein guter Stern stehen. In diesem Sinne wünsche ich Ihnen Erfolg und vor allen Dingen persönliche Sinnerfüllung im Umgang mit Ihren Schützlingen.
Herzlichst Ihr

Dr. Peter Stöfen