Frühjahrsbrief 2022

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2022-Frühjahrsbrief

Frühjahrsbrief 2022, Dr. Peter Stöfen
Liebe Imkerkolleginnen und Imkerkollegen,
liebe Kunden und Freunde unserer Zuchtgemeinschaft,
liebe nichtimkernde Weggefährten!

 

Der Blütenzweig
Immer hin und wider
Strebt der Blütenzweig im Winde,
immer auf und nieder
strebt mein Herz gleich einem Kinde
Zwischen hellen, dunklen Tagen,
Zwischen Wollen und Entsagen.
Bis die Blüten sind verweht
Und der Baum in Früchten steht,
Bis das Herz, die Kindheit satt,
Seine Ruhe hat
Und bekennt voll Lust und nicht
Vergebens
War das unruhvolle Spiel des Lebens.
Hermann Hesse

Um die Worte von Hermann Hesse aufzugreifen:  Derzeit ist das Spiel des Lebens mehr als unruhevoll. Unserer aller Lebensumstände haben sich über Nacht geändert.  Aus verschiedenen Gründen hat sich das verfügbare Einkommen für die meisten Familien erheblich reduziert. Wie werden die Menschen mit diesen finanziellen Einschnitten umgehen?  An irgendeiner Stelle wird gespart werden müssen! An welcher Stelle wird das sein? Welchen Weg gehen wir Imker?
Darüber möchte ich einige Gedanken verlieren. Losgelöst vom „main stream“, denn  ich selbst habe in den letzten 45 Jahren  keine Stunde vor dem Fernsehen verbracht. Verbunden damit war viel gewonnene Zeit, Dinge anders zu betrachten und in den Augen meines Umfeldes etwas „schräg“ zu werden.
War die Nachkriegsentwicklung von immer niedrigeren Ausgaben für die Ernährung geprägt, so scheint diese Epoche ein Ende zu nehmen. Die Zeit scheint vorbei zu sein, dass wir in Deutschland nur ca. 10 % des verfügbaren Durchschnittseinkommens für unsere Ernährung ausgeben mussten. Im internationalen Vergleich ein sehr niedriger Wert. Bedingt dadurch ist der uns so lieb gewordenen Konsum erst möglich geworden. Andererseits ist dieser Wert auch Ausdruck der geringen Wertschätzung gegenüber unserer Ernährung. Franzosen und Italiener haben dafür allenfalls ein mildes Lächeln übrig.

Was bedeutet diese Entwicklung für uns Imker, für unsere wirtschaftliche Grundlage und natürlich am allermeisten für das Überleben der uns anvertrauten Bienen? Die Honigimporte werden wegbrechen und wir müssen die Preise unter dem jetzigen Kostendruck erhöhen. Das sind betriebswirtschaftliche Notwendigkeiten, denen sich auch ein Teil der Imker nicht entziehen kann. Wie wird das Verbraucherverhalten gegenüber höheren Honigpreisen sein? Kann man und wird man sich unseren Honig auch weiterhin leisten können?
Die Umweltdiskussionen der letzten Jahre, die Art und Weise die Probleme anzufassen – oder eben nicht anzufassen -,   haben mich anfänglich irritiert und nachdenklich gemacht. Nicht weil sie nicht notwendig wären. Nein, im Gegenteil: Um das Überleben der Menschen auf diesem Planeten weiterhin zu ermöglichen, müsste noch entschieden mehr unternommen werden.  Letztlich in einer Konsequenz, die unsere heutige Vorstellungskraft sprengen dürfte.

Die Zukunft wird spannend. Erst einmal natürlich, ob unser gesellschaftliches imkerliches Ansehen auch weiterhin so hoch bleiben wird.  Wird auch die Wertschätzung gegenüber unseren Bienen derart hoch bleiben? Wie wird allgemein das Ernährungsverhalten sein? Können sich breite Bevölkerungsschichten überhaupt noch teure Nahrungsmittel, dazu gehört auch Honig, leisten? Voraussetzung dafür wird Konsumverzicht an anderer Stelle sein. Der wird schmerzlich sein! Aber genau hieran werden die Lippenbekenntnisse vieler Menschen zu messen sein. Ich fürchte allerdings, das viele Menschen eher an ihrer Ernährung sparen werden, als beispielsweise an anderen täglichen Luxusgütern.

 An unserem Honig wird zuletzt gespart, diese Vorstellung sollte uns alle tragen und motivieren!

Und damit sind wir dann bei Tagesgeschäft angekommen. Jens, Waldemar und ich blicken voller Freude und Tatendrang auf die neue Saison. Der Raps steht seit Ende April etwas früher als sonst in voller Blüte, sodass wir unsere  Termine mit hoher Wahrscheinlichkeit  einhalten werden können. Aber bis Anfang Juni kann noch viel passieren.
Pflegebienen und Drohnen sind bereits jetzt überreichlich vorhanden. Auch wenn ich mich wiederhole, die eigentliche Voraussetzung für eine erfolgreiche Vermehrung. Sowohl auf der väterlichen als auch auf der mütterlichen Seite kann es niemals ein zuviel an Bienen geben. Dem hat sich unser gesamtes imkerliches Wirken zu unterwerfen.

Unsere Linien im Jahr 2022:

Drohnenmutter 2022 Friedrichskoog:

leg. 87 (DB) = .18–-V263(DB)leyB34Vt(LS) 1.dr  

Unsere Drohnenmutter für die Zuchtsaison 2022 wurde wie die Zuchtkönigin 2021 ebenfalls von Detlev Biel gezüchtet. Auf der Homepage der Belegstelle hat er seine B87 detailliert beschrieben.
https://buckfast-belegstelle-friedrichskoog.de/drohnenlinie/

Darüber hinaus beschreibt er dort die Kriterien, welche eine Drohnenmutter aus seiner Sicht zu erfüllen hat. Eine mehr als lesenswerte Pflichtlektüre für jeden Imker! Imkermeister Biel hat sich zu einem begnadeten Selektierer entwickelt. Er durchdringt ein Bienenvolk in einer tieferen Dimension als ich. Alle Nachkommen der B87 (DB) haben den Züchter überzeugt, dass es sich um eine nachzuchtwürdige Buckfast-Königin handelt. Ihre Brutwaben sind von neutraler Stelle auf Milben analysiert worden. Das Hygieneverhalten wurde mehrmals getestet und liegt bei 84% in 6 Stunden!

2,5% Befall
40% SMR
62,5% VSH

 

Zuchtmütter 2022

Wie in den vergangenen Jahren haben wir aus den ca. 40 noch vorhandenen Drohnenvölkern aus 2021 3 Zuchtmütter selektiert und werden von diesen in dieser Saison umlarven. Diese Vorgehensweise hat sich bewährt und ist die letzte Selektion durch mich. Der Honigertrag ist an dieser Stelle aus den erwähnten Gründen nicht das entscheidende Auswahlkriterium.

 

 19, 31 und 73 (BZF) = .20- B234(DB) frkg B562(PJ)

 

Von diesen Zuchtmüttern können Sie wie gewohnt standbegattete Wirtschaftsköniginnen, belegstellenbegatte Königinnen und ab Mitte/Ende Juni selektierte Königinnen beziehen. Letztere befinden sich mindestens 3 Wochen in Eiablage – die Königinnen haben ihre Töchter gesehen.

2019 wurden besamte Königinnen aus der Zucht von Jos Guth/Paul Jungels käuflich erworben. Wir haben uns entschieden von den Anpaarungen B822(PJ) ins V880(PJ) nachzuziehen. Sie wurden lediglich in 2020 als Ertragsvölker geführt und haben in jeder Hinsicht unseren Erwartungen entsprochen. Die vorhandenen drei Königinen identischer Abstammung sind bislang mit der Milbe gut zurecht gekommen und brauchten nicht behandelt zu werden. Nach der Trachtsaison 2020 wurden diese Königinnen in Mini Plus Einheiten umlogiert, um ihre Eiablage einzuschränken.

imq B144(FBL) = .19-B822(PJ) ins V880(PJ) 1dr

Von dieser B144(FBL) werden wir in 2022 in begrenzten Umfang nachziehen und diese im Friedrichskoog begatteten Königinnen unter der Bezeichnung  ”HYG+ Buckfastkönigin” anbieten.

 Darüber hinaus konnten wir im Frühjahr überwinterte Königinnen der letztjährigen Anpaarung abgeben:

Mutterkönigin

B72(BZF)=.19-lvq.B562(PJ)frkgB66(NK)

Vatervölker

leg.236(DB)=.17-V280(NK)mmB66(NK)

Diese Königinnen standen in unserem Obstgarten und strotzen vor Vitalität.  Der Versand erfolgte am 16. Mai. Aufgrund der hohen Nachfrage nach überwinterten Königinnen wollen wir versuchen, noch mehr von diesen über den nächsten Winter zu bringen.

Bestellen können sie ab sofort wie immer im Shop, auf unserem Bestellformular, oder gerne auch einfach per E-Mail. Auf unserer Homepage finden Sie auch die neuen Preise und Versandtermine. Erste Versandtermine für Wirtschaftsköniginnen sind der 2. (Donnerstag) und der 7. Juni (Dienstag) für Deutschland.

Mit dem Versand der im Friedrichskoog begatteten Königinnen starten wir am 7.6. und anschließend dann jeweils montags. Innerhalb Deutschlands ausschließlich mit DHL-Express, ins Ausland als Brief International oder als DHL-Paket. Beide Verfahren haben sich im letzten Jahr bewährt.

Detaillierte Informationen zur Beschickung unserer Belegstelle finden sich auf der Homepage der Belegstelle. Per E-Mail sind Voranmeldungen im Rahmen der voraussichtlichen Drohnenverfügbarkeit möglich.

Jens und ich wünschen Ihnen auch in Corona-Zeiten einen guten Start in das neue Bienenjahr. Lassen Sie sich, der allgemeinen Stimmung zum Trotz, nicht zu sehr von negativen und düster/ängstlichen Gedanken besetzen. Wie bemerkte MARC AUREL bereits vor 2.000 Jahren: „Mit der Zeit nimmt die Seele die Farbe Deiner Gedanken an“. Auch wenn die Wolken in diesen Tagen manchmal sehr tief zu hängen scheinen, dahinter verbirgt sich immer die Sonne. Die Bienen fliegen wieder und erfreuen unsere Seele.  Wir freuen uns auf ein weiteres Jahr gemeinsamen Weges mit Ihnen und den uns anvertrauten Schützlingen.

Ihnen und Ihren Bienen alles Liebe und Gute

Herzlichst, Ihr Dr. Peter Stöfen