Liebe Imkerkolleginnen und Imkerkollegen,
liebe Kunden und Freunde unserer Zuchtgemeinschaft,
liebe nichtimkernde Weggefährten!
Gerade sind wir, wie alljährlich, aus Namibia zurückgekehrt. Dieses Mal haben wir versucht, die Uhr für ein paar Wochen komplett anzuhalten.
Der Farmimkerei auf dem Haasenhof habe ich keine Impulse gegeben. Aber immerhin: Alle Völker lebten, die Milbe hat im Gegensatz zu den meisten Regionen Afrikas einige wenige Halbwüstenregionen immer noch verschont. Vier Wochen lang keine Bienen – wir mussten es einfach einmal haben. Und, wie nach jedem „Reset“, erwachsen neue Ideen, Fragestellungen und neue Kräfte. Ist das bisherige Vorgehen richtig? Steht der immer größer werdende Arbeitsaufwand überhaupt noch in einer vernünftigen Relation zur ideellen und finanziellen Wertschöpfung der Imkerei? Wie in jedem Jahr sei es mir gestattet, den eigentlichen imkerlichen Themen einige persönliche Gedankengänge voranzustellen.
Im Sommer bleibt für derartige Überlegungen kein Raum. Das zeitliche Diktat der Königinnenzucht kommt einem Gefangensein in einem Hamsterrad gleich. 3-5-8, die Königin ist gemacht, ist unerbittlich. Für das Gros der Imker sind zum Glück Kostenkalkulationen nicht zwingend erforderlich. Mit der Imkerei Geld zu verdienen, ist in Deutschland nahezu unmöglich und nur wenigen extrem tüchtigen Kollegen vorbehalten. Das spüren die Nebenerwerbs- und die immer weniger werdenden Berufsimker derzeit in voller Härte. Ich war schon einmal gezwungen, meinen Beruf als Landwirt aufzugeben. Auch aus diesem Grund macht es mich besonders betroffen, wenn es auch in der Bienenhaltung immer weniger kleine und mittlere Selbständige gibt. Sind doch gerade sie das Rückgrat unserer Gesellschaft und unseres Wohlstandes.
Eigentlich ist es müßig, sich über die Gründe dieser Entwicklungen Gedanken zu machen. Sind sie politisch gewollt? Hätte die Politik sie verhindern können? Oder liegt es einfach nur in einer veränderten Mentalität der Menschen begründet, welche ihre Gründe letztlich im Wohlstand der letzten Jahrzehnte hat? Die uns auf jeder Imkereibesichtigung gestellte Frage: Bestehen hier auch „Gewinnerzielungsabsichten“ lässt eine Bewusstseinsänderung auch bei uns Imkern vermuten.
Dem Gros der Verbraucher ist nicht bewusst, dass der Wohlstand auf immer billiger werdenden Nahrungsmitteln beruht. Das Volk braucht Brot und Spiele. Das Einkommen in der landwirtschaftlichen Primärproduktion hat sich komplett von allen anderen Berufen abgekoppelt. Dem kann man in kleineren Betrieben nur durch einen immer höheren Arbeitseinsatz begegnen, um überhaupt noch ein nennenswertes Grundeinkommen zu generieren. Das wollen immer weniger Menschen. Eigentlich schade, aber die Zukunft der deutschen Imkerei scheint in Richtung kleinerer Betriebe zu gehen, die nicht unmittelbar auf ein Zusatzeinkommen angewiesen sind. Das kann für die Erhaltung der Biene und speziell für die Varroa-Resistenz-Züchtung ausgesprochen positiv sein. Es gibt so viele Tüftler, Querdenker und Genies unter uns, die sich mit leidenschaftlichem Engagement und Hingabe in die Zucht einbringen. Ein mehr erwerbsorientierter Imker wäre wahrscheinlich in dieser Hinsicht nicht so effizient und erfolgreich.
Das Fazit all dieser Überlegungen: Gemeinsam mit meiner Partnerin werde ich, solange mir unser Schöpfer Gesundheit schenkt, weitermachen! Im Wesentlichen sprechen drei Gründe dafür:
1.) Seit zwei Jahren ist mein Betrieb keine „One-Man-Show“ mehr. Mir wurde vom Leben eine Partnerin geschenkt, welche über viele Jahre in einen größeren Ackerbaubetrieb u.A. die hofeigene Schäferei am Außendeich maßgeblich mitgestaltet hat. Sie bringt sich mit mindestens 800 Stunden ein. Niemals ein Klagen über die viele Arbeit, im Gegenteil: Sie lebt die Imkerei und blüht förmlich unter ihrer Aufgabe auf. Mir wird der nicht sonderlich geliebte Honig und der gesamte Innendienst von der Hand gehalten. In der Folge kann ich mich wesentlich konzentrierter um das Kerngeschäft kümmern. Aber auch so etwas scheint in der heutigen Zeit ein Auslaufmodell zu sein!
2.) Auch wenn ich nun seit fast drei Jahren nicht mehr als Zahnarzt arbeite, bin ich mit fast voller Stundenzahl weiterhin berufstätig. Für mich ein Glücksfall. Die erfolgreiche Arbeit verleiht meinem Leben Würde, Sinn und Anerkennung. Das Schicksal der nachberuflichen Bedeutungslosigkeit ist mir nicht widerfahren. Welch eine Verkettung glücklicher Umstände. Eine fordernde und anspruchsvolle Aufgabe zu haben, ist mit Geld nicht zu bezahlen. Wie Hermann Hesse einmal sagte: „Man hat nur Angst, wenn man mit sich selber nicht einig ist.“
3.) Auch wenn man im Leben bereits das meiste Brot gegessen hat, sind Ziele, Wünsche und Visionen in jedem Lebensalter wertvolle Wegbegleiter. Egal, ob sie materieller, spiritueller oder ideeller Natur sind. Aber auch Vorbilder können einem beim Erreichen der eigenen Ziele helfen. Vor vielen Jahren erzählte mir ein feinsinniger badischer Imker nach einem Besuch bei Raymond Zimmer von einem Zahnarzt-Kollegen Koch. Voller Anerkennung erzählte er von ihm, dass man bei ihm nicht genau wisse, ob er nun eigentlich Imker oder Zahnarzt sei. Zum Abschluss meines ersten Berufslebens habe ich mein Praxisteam ins Badische eingeladen. Im Schatten des Münsters in Freiburg dann ein Honigstand: Christoph Koch! Tatsächlich, der Sohn des besagten Zahnarzt-Kollegen. Der Arme musste sich von mir löchern lassen, ohne Umsatz zu machen… Sein Vater hätte ebenfalls bis in die Siebziger als Zahnarzt gearbeitet, um dann gemeinsam mit einer ehemaligen Helferin seine Imkerei vollumfänglich weiter zu betreiben. In seinen Neunzigern sei er dann, körperlich und geistig fit, an seinen Völkern mit dem Stockmeißel in der Hand in eine höhere Welt hinübergewechselt! Welch ein Vorbild und welch ein damit verbundenes eigenes Lebensziel! Wie Hermann Hesse humorvoll bemerkte: „Glück ist Liebe, nichts Anderes. Wer lieben kann, ist glücklich.“
Auch wenn ich mich aus der imkerlichen Standespolitik und der Öffentlichkeit weitgehend zurückgezogen habe, sind mir diese persönlichen Gedankengänge von Bedeutung. Der Verkauf von Tieren bzw. Königinnen ist kein normales Geschäft, sondern lebt in einem hohen Maße von einem Vertrauensvorschuss unserer Kunden. Und aus diesem Grund haben Sie einen Anspruch zu wissen, mit wem Sie es zu tun haben.
In den nächsten Tagen wird der Redakteur unseres Buckfastjournals, Kristian Gäbler, mit mir ein Interview führen. Darin wird es um meinen imkerlichen Werdegang gehen. Mein Lebensweg ist nicht gradlinig, sondern etwas skurril und nicht „Mainstream“. Aber seit meiner landwirtschaftlichen Lehre durchgehend von einer Zielklarheit geprägt. Immer Selbständigkeit zu sein und mich anderen Menschen unter zu ordnen. Es wäre schön, wenn Ihr/Sie die Zeit finden würdet, diesen Artikel zu lesen. Er wird Ende März 2026 veröffentlicht.
Dort wird ebenfalls die Landbelegstelle Friedrichskoog ausführlich beschrieben. Dort finden Sie rechtzeitig vor der Saison alle erforderlichen Informationen zur Beschickung und zur diesjährigen Drohnenlinie. Sie werden allen unseren Kunden in unserem Frühlingsbrief zur Kenntnis gebracht. An dieser Stelle wird lediglich auf die Drohnenlinie hingewiesen.
Jens Steinfeld und ich hoffen sehr, dass Sie auch 2025 mit unserem Service zufrieden waren. Wir haben in den allermeisten Fällen die bereits bei Bestellung zugesagten Versandtermine einhalten können, worauf wir ein wenig stolz sind, ermöglicht dies doch Ihnen eine gute Planung. Und in der Regel erreichten alle Königinnen wohlbehalten ihr Ziel. Und dort, wo etwas nicht klappte, haben wir unkompliziert Ersatz auf den Weg gebracht.
Auch in 2026 werden wir auf Wunsch nach vorheriger Anmeldung im Traces-System verschicken. Damit ist den gesetzlichen Anforderungen Genüge getan. Ein immenser logistischer, bürokratischer und auch teurer Aufwand, dem wir uns aber stellen wollen. Ins Ausland verschicken wir dieses Jahr primär als DHL-Paket. In der Regel erreichen die Königinnen innerhalb einer Woche ihr Ziel im europäischen Ausland. Leider dürfen Bienenköniginnen legalerweise immer noch nicht per Flieger als Expresspost befördert werden.
Neu ist auch, dass wir eine Möglichkeit gefunden haben, unsere Königinnen wieder „auf der Insel“, also in Großbritannien, anzubieten, nachdem das durch den Brexit etwas schwieriger geworden war. Unser Freund Duncan Simmons wird dazu größere Mengen unserer Königinnen Ende Juni importieren und auf eigene Rechnung in UK per Expresslieferung weitervertreiben. Eine für alle Seiten gute Lösung. Ähnlich verfahren wir mit dem Verkauf in Frankreich. Unser Freund Ed aus der Normandie wird jeweils über Nacht größere Mengen an Königinnen von uns bekommen und kann diese dann am folgenden Tag per Expressversand innerhalb Frankreichs verteilen. Eine gute Lösung! Bei diesen Mengen spielt dann auch der Aufwand für die Traces keine Rolle mehr.
Allein diese logistische Abwicklung ist immer wieder eine Mammutaufgabe. Jens kennt inzwischen wie kaum ein Zweiter die Tücken des Versandes mit lebenden Tieren und natürlich viele von Ihnen mit-samt Ihren Wünschen und Bedürfnissen. Sie dürften bemerkt haben, dass wir auch in dieser Hinsicht in diesem Jahr noch besser geworden sind. In aller Bescheidenheit – ein Alleinstellungsmerkmal unserer Imkerei! Auf seiner diesjährigen Frühlingsfahrt nach Frankreich wird er wieder vielen Imkern bereits im April persönlich überwinterte Königinnen vorbeibringen, was den Reisestress für die Königinnen deutlich verringert. Wir bitten um Verständnis, dass daher Anfang April das Büro nur sporadisch besetzt ist.
Unsere Linien im Jahr 2026:
Drohnenmutter Friedrichskoog:
B191KWS24mdi=
.24 – ilv.B75(BPF)22mdi mdi L113(KKI)23(1dr.c.):
.22 – B8562 (BPF)20 mdiB64(BPF)21mdi(1dr.c.):
.20 – B562(PJ)18sdi amm B18218(KK)18sdi (28 dr.v.)
Unsere Drohnenmutter für die Zuchtsaison 2026 wurde von Kaus Sick gezüchtet. Er ist Zuchtobmann im Landesverband Schleswig-Holstein und Hambur-ger Imker e.V. und engagiert sich seit Jahren in der Varroa-Resistenzzucht. Genau wie er fokussieren wir uns derzeit primär ebenfalls auf eine Selektion auf SMR-Eigenschaften. Wie in jedem Jahr wird uns von befreundeten Züchterkollegen eine neue zumeist vorgepfüfte Drohnenmutter überlassen. Aufgrund des überschaubaren Trachtanbgebotes ist die Honigproduktion bei uns nebensächlich. Von daher ist eine Selektion auf Ertragsleistung nicht möglich. Erst wenn die Fähigkeit, mit der Milbe klar zu kommen, weitgehend genetisch stabilisiert worden ist, werden wir wieder von mehrjährigen, vorgeprüften Königinnen nachziehen.
Von der mir in einem Trog überlassenen B191(KWS) konnte ich bis Mitte Juni 2025 250 Königinnen nachziehen. Sie war ausgesprochen sanftmütig (6+) und wird aufgrund ihrer Vorfahren weitestgehend die typischen Buckfasteigenschaften besitzen. Der wiederholt durchgeführte HYG-Test lag bei 100 %. Der SMR-Wert, der von Dr. Kaden und meiner Partnerin bestimmt wurde, lag bei 92 %. Die Linie entstammt übrigens ursprünglich der Zucht von Paul Jungels. Er hat als Praktiker in der Resistenz Zucht Maßsrtäbe gesetzt!
https://buckfast-belegstelle-friedrichskoog.de/drohnenlinie/
Zuchtmutter 2026
Von den letztjährigen (2025) Drohnenvölkern B58(DB) werden wir wie immer von den besten im nächsten Jahr nachziehen. Diese Selektion erfolgt nach der Auswinterung. Diese Auswahl trägt meine züchterische Handschrift. Nach Auswahl werden wir im März dann die genaue Linie und entsprechend auch die Zuchtnummern bekannt geben.
B? (BZF) =
.24-B58(DB)frkgB356(DB)
.23- B356(DB) frkg B12(DB)
.22-B13l(DB) ley B601 (TR)
.21. B67(BKS) hamh B365)
.20- B148(BKS) ins B17(SG):
Von diesen Zuchtmüttern können Sie wie gewohnt standbegattete Wirtschaftsköniginnen, belegstellenbegattete Königinnen und je nach Witterung ab Mitte/Ende Juni selektierte Königinnen beziehen. Letztere befinden sich mindestens drei Wochen in Eiablage – diese Königinnen haben ihre Töchter gesehen.
Überwinterte Königinnen aus 2025
Darüber hinaus werden wir im Frühjahr 2026 über erstklassige, in Mini Plus überwinterte Königinnen der folgenden Anpaarung von 2025 verfügen:
.25-B1(BZF)/B131(PA)frkgB58(DB)
.22B356(DB)leyB601(TR)
Eine alte und bewährte Anpaarung von Detlev Biel. Sie ist bei Peter Arndt 3 Jahre ohne Behandlung ausgekommen und wurde mir von ihm im Sommer überlassen. Ab dann hieß sie bei uns B1 (BZF) und wird mit dieser Bezeichnung in unserem Pedigree aufgelistet. Mit der Bezeichnung B1 soll unsere neue züchterische Ausrichtung zum Ausdruck gebracht werden. Sobald die Temperaturen es zulassen, d.h. ca. Mitte Mai, werden diese versendet, so daß relativ früh von ihnen nachgezogen werden kann. Es handelt sich um reife Königinnen, die sich in voller Eiablage befinden. Sie haben zum Zeitpunkt des Versandes in der Regel 2 – 3 Mini Plus Zargen aufgebaut und sich bewährt. Den Einsatz dieser Tiere für eine frühe Zucht möchten wir ihnen besonders ans Herz legen.
Bestellungen / Versand
Bestellen können Sie ab sofort wie immer im Shop, auf unserem Bestellformular oder gerne auch einfach per E-Mail. Auf unserer Homepage finden Sie auch die aktuellen Preise und Versandtermine. Erster Versandtermin für Wirtschaftsköniginnen ist der 8. Juni. Mit dem Versand der im Friedrichskoog begatteten Königinnen starten wir am 15.6. und mit den selektierten am 15./22.6. Bis Ende September werden wir dann jeweils montags verschicken. Innerhalb Deutschlands ausschließlich mit DHL-Express, ins Ausland primär als DHL-Paket. Beide Verfahren haben sich im letzten Jahr bewährt, kann der Versand doch über DHL vorab angekündigt und die Sendung nachverfolgt werden. Ein Wort noch zum Expressversand ins Ausland: Der Versand von Bienenköniginnen per Luftfracht ist leider verboten. Es würde so vieles einfacher machen für uns alle und vor allem für unsere Königinnen, aber wir können diesen Weg leider (noch?) nicht gehen. Wir bleiben dran.
Detaillierte Informationen zur Beschickung unserer Belegstelle finden sich auf der Homepage der Belegstelle. Per E-Mail sind dort Voranmeldungen möglich.
Jens Steinfeld und ich wünschen Ihnen ein gutes Jahr 2026! Lassen Sie sich, der allgemeinen Stimmung zum Trotz, nicht zu sehr von negativen und düster/ängstlichen Gedanken besetzen. Auch wenn die Wolken in diesen Tagen manchmal sehr tief zu hängen scheinen, dahinter verbirgt sich immer die Sonne. In wenigen Monaten wird sie die Bienen wieder aus ihren Beuten herauslocken und auch unsere Seelen neu beflügeln. An diese Konstante unseres Lebens sollten wir uns immer wieder erinnern. Wir freuen uns auf ein weiteres Jahr gemeinsamen Weges mit Ihnen und den uns anvertrauten Schützlingen.
Ihnen und Ihren Bienen alles Liebe und Gute.
Herzlichst, Ihr Dr. Peter Stöfen
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