Belegstellenbericht
Imkermeister Dr. Peter Stöfen

Lassen Sie mich an dieser Stelle eine etwas andere Bilanz als in den üblichen Belegstellenberichten ziehen und Ihnen etwas über die Philosophie unserer Zucht und über die Buckfastbienenhaltung berichten. Den „klassischen“ Bericht finden Sie in unserer Rubrik News.

Unsere Genetik verdanken wir den österreichischen Imkermeistern Johannes Neuburger und Horst Preissl, die auf unzähligen Reisen insbesondere nach Anatolien, Macedonien und ins zentrale Afrika ganz im Sinne von Bruder ADAM Bienenrassen gesucht und gefunden haben, die noch rein und von züchterischen Maßnahmen unbeeinflusst waren. Wenn genetische Anlagen vorhanden waren, die zur Verbesserung der vorhanden Buckfaststämme beitragen könnten wurde dieses Material integriert. Ein langer kostspieliger Weg für den Beharrlichkeit, züchterischer Instinkt und eine große Völkerzahl absolute Voraussetzungen sind. Als Beispiel dafür mag die Linie 501 (PN) aus der Ortschaft Bayburth in Ostanatolien gelten. Die züchterische Bearbeitung wurde von namhaften europäischen Züchtern in erster Linie aus Kostengründen aufgegeben. Zwischenzeitlich wird die Nachkommenschaft dieser Linie von Horst Preissl als sein züchterisch größter Erfolg bezeichnet.

Beim langersehnten Antrittsbesuch aus Österreich wurden alle unsere Völker inspiziert. Zu meinem Erstaunen und teilweise auch zu meiner Betroffenheit wurden lediglich zwei Prozent unserer Völker für nachzuchtwürdig gehalten. Und das aus Gründen, die wir nicht zwingend nachvollziehen konnten. Unsere vorselektierten „Perlen" kamen nicht einmal in die Endauswahl. Aber so ist es nun mal. Ob man fünf, fünfzig oder wie wir in unserer Zuchtgemeinschaft über tausend Königinnen selektiert, eine kann nur die Beste sein. In diesem Zusammenhang fiel mir dieser Tage ein Referat von Imkermeister Johann van den Bongard in die Hände, aus dem der Unterschied zwischen mir und Horst Preissl anhand eines Beispiels für mich verständlich wurde und aus dem ich auszugsweise zitieren möchte:

„Züchter sind für mich Menschen, die als besondere Gabe das Talent besitzen, Dinge und Zusammenhänge in einem Bienenvolk zu erkennen, die der Normalimker nicht sieht. Vergleichbar mit einem Künstler. Als Beispiel seien hier – ohne eine Berufsgruppe diffamieren zu wollen – der Künstler Vincent van Gogh und der Handwerksberuf Maler und Anstreicher genannt. Beide benutzen Farben, der eine aber, um Kunstwerke zu erstellen, der andere, um z.B. Räume zu verschönern. Ähnlich sehe ich es bei den Imkern. Jemand der Königinnen erstellt, ist noch lange kein Züchter. Die Menschen, welche die Gabe des Züchtens besitzen, sind äußerst dünn gesät. Europaweit sind sie an einer Hand abzuzählen.

Leider ist es oft so, dass Menschen eine Arbeit verrichten, zu der sie zwar vom handwerklichen und vom Grundwissen her befähigt sind, aber ihnen fehlt die Gabe, durch tiefere Einblicke in die Materie Zucht entscheidende Unterschiede zu erkennen und neue Einsichten zu gewinnen. Um nicht falsch verstanden zu werden: Ich habe Hochachtung vor jedem, der sich mit der Thematik „Königinnenzucht" befasst, doch nicht jeder ist ein van Gogh."

Deutlicher kann man diesen Unterschied nicht herausarbeiten. Möge uns unser „van Gogh“ Horstl noch lange gewogen bleiben. Und mögen Gelee Royal, Pollen, Propolis und auch die eine oder andere Zigarette seinem züchterischem Genius auch weiterhin Flügel verleihen.

Unsere Biene ist kein Wundertier; wer dieses erwartet wird mit Sicherheit enttäuscht. Und es wird sicherlich auch Imker geben, die aus der Gewohnheit heraus nicht mit unserer Biene zurechtkommen. Aber wenn man sich vor der Umstellung auf die Buckfastbienenhaltung ausreichend informiert, dann sollte das zu guten Erfolgen führen.

Wir haben mittlerweile das Belegstellenmangement weiter verfeinert, um weder Familie, noch Beruf oder die umfangreiche Imkerei vernachlässigen zu müssen. Dazu haben wir bei den Wirtschaftsvölkern ein „dadantmäßiges" Imkern eingeführt. So imkern wir mit einem 1 ½ DNM Brutraum und kleinen Honigräumen (3/4 DNM) mit Kunststoffmittelwänden. Beeindruckend ist in Verbindung mit unserer sanftmütigen und schwarmträgen Biene die drastische Zeitersparnis. Bis auf gelegentliches Schröpfen für die Pfleger können wir die Völker im Sommer faktisch sich selbst überlassen.

Abschließend möchte ich mich bei allen Förderern unserer Belegstelle, insbesondere den beiden Landesverbänden, herzlich bedanken.

Ihr Imkermeister Dr. Peter Stöfen
 
 
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